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Bordsteine, Genehmigungen, Mindestanzahl an Parkplätzen: Was man wissen muss, bevor Robotaxis in Zürich eintreffen

A Google subsidiary registered a Swiss company on 31 July. It has not applied to drive anywhere. The decisions that will determine whether driverless fleets work in Zurich are being taken elsewhere: in parking rules and kerbside permits.

Five questions Zurich must answer

1. Has anything actually been approved? No, not for Waymo. Waymo Switzerland GmbH was entered in the commercial register on 31 July 2026 (capital CHF 100,000, c/o Google Switzerland, Gustav-Gull-Platz 1). But as of 10 August, it had not applied to the federal roads office (ASTRA) for any pilot operation. The only approval in Zurich belongs to someone else: WeRide holds an ASTRA permit and is testing with safety drivers in the Furttal, and Uber intends to offer the first driverless rides in Zurich by the end of 2026. The company everyone is discussing is not the one that is operating.

2. Where are driverless vehicles allowed to drive? Since 1 March 2025, Swiss law permits three things: a motorway pilot, driverless parking on approved sites, and driverless vehicles on routes a canton has expressly designated and an operator supervises. There is no city-wide right to operate. Twenty-six cantons draw twenty-six maps. This is not a technology approval. It is a permission slip, issued street by street.

3. Who controls the kerb? A robotaxi does not need a parking space. It needs somewhere to stop repeatedly, all day, in exactly the places where space is scarcest. Cities do hold the instruments: traffic orders, taxi stands, permits for the special use of public land. But those instruments were built for vehicles that stand still for hours, not for vehicles that halt for ninety seconds and leave. Zurich had 30,452 blue-zone spaces in April 2025, down from 31,173 at the end of 2022. That is on the order of 38 hectares of public land. Whoever decides where a driverless vehicle may stop decides who can run a service at all.

4. Does Zurich still need the parking the 1996 rules require? Zurich’s parking ordinance dates from 11 December 1996. It still requires one space per 120 m² of residential floor area, with a minimum of 10 to 70 per cent depending on transit quality. Each underground space consumes 26 to 30 m² and costs CHF 35,000 to 42,000 to build. In well-connected Swiss municipalities, average vacancy already runs at 29 per cent; individual developments reach 68. Note what that means. The rule is already misfiring, with or without driverless fleets. Autonomous vehicles do not create this problem. They put a deadline on it.

5. Who carries the risk when nobody is driving? Swiss law keeps liability with the vehicle’s keeper, regardless of fault, and the mandatory driving-mode recorder decides who pays afterwards. The open question is who the keeper is when the fleet sits in a Swiss company, the software is written in California, and the service is delivered by a third party. That is precisely the structure Waymo’s registered purpose contemplates.

Five things that need to happen now

1. Designate a supervised pilot corridor and publish the criteria. Not a decision to deploy, but a decision to learn what supervision actually costs.

2. Price the kerb. Stopping space should be allocated by permit and tariff, like any other scarce public asset, before it is allocated by whoever arrives first.

3. Re-open the 1996 parking ordinance on its own merits. A rule that produces 29 per cent vacancy needs revision whether or not a single robotaxi ever reaches Zurich.

4. Settle the keeper question in the contract between fleet owner, software supplier and operator, before the first accident, not after it.

5. Keep the safety debate and the space debate apart. Whether these vehicles drive well is an engineering question. Who controls the ground they stop on is not. Both deserve honest answers. Arguing one as the other produces neither.

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Bordsteine, Genehmigungen, Mindestanzahl an Parkplätzen: Was man wissen muss, bevor Robotaxis in Zürich eintreffen
Der Himmel wird zur Strasse: Was Sie über die rechtliche Situation von Flugtaxis wissen müssen

Die Mobilität von morgen findet nicht nur auf der Strasse statt, sondern zunehmend auch in der Luft. Neben selbstfahrenden Autos, denen wir bereits einen eigenen Insight gewidmet haben (siehe „Wer haftet, wenn das Auto selbst fährt?“), stehen sogenannte Volocopter oder elektrische Flugtaxis symbolisch für den nächsten grossen Sprung in der urbanen Mobilität.

Dass dieser Weg nicht ohne Rückschläge verläuft, zeigte sich Ende 2024: Das deutsche Unternehmen Volocopter GmbH beantragte beim Amtsgericht Karlsruhe die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, und das Gericht eröffnete das Insolvenzverfahren wie beantragt mit Beschluss vom 1. März 2025.[1]

Und doch kehrte das Unternehmen nur wenige Monate später unter neuer Eigentümerschaft auf den Zertifizierungspfad zurück und treibt die Zertifizierung seines Flugtaxis „VoloCity“ weiter voran. Laut einer Mitteilung vom 28. Mai 2026 fliegen erfahrene Piloten, die keine Testpiloten sind, weltweit erstmals unter Aufsicht ein eVTOL-Flugzeug in einer realen Betriebsumgebung.[2] Wir gehen daher davon aus, dass Flugtaxis, also eVTOLs, bald Realität werden. Die entscheidende Frage lautet: Welche rechtlichen Grundlagen müssen geschaffen werden, bevor das erste Flugtaxi abheben kann?

Fliegen diese Taxis tatsächlich von selbst, oder sitzt jemand am Steuer?

Nicht unbedingt eigenständig. Volocopter entwickelt elektrisch angetriebene Fluggeräte, die senkrecht starten und landen, sogenannte eVTOLs (Electric Vertical Take-Off and Landing). Das bekannteste Modell, der VoloCity, ist als städtisches Lufttaxi konzipiert und soll zunächst mit einem Piloten an Bord betrieben werden; der autonome Einsatz ist erst als späterer Entwicklungsschritt geplant. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bereits mehr als 2.000 erfolgreiche Testflüge absolviert und arbeitet auf die Typenzertifizierung durch die Europäische Agentur für Flugsicherheit („EASA“) hin.[3]

Diese Unterscheidung ist für die rechtliche Beurteilung von zentraler Bedeutung. Ein bemanntes eVTOL wird rechtlich eher der klassischen bemannten Luftfahrt zugeordnet: An Bord befindet sich eine verantwortliche Person, an die Pflichten, Qualifikationsanforderungen und Haftungsfragen geknüpft sind. Bei einem autonom fliegenden Gerät hingegen verlagert sich die Verantwortung von der Person im Cockpit hin zu Herstellern, Softwareanbietern und Betreibern. Wer von Flugtaxis spricht, sollte daher genau unterscheiden, in welchem Betriebsmodus diese unterwegs sind, da die rechtlichen Konsequenzen grundlegend unterschiedlich sind.

Wo landen diese Flugzeuge eigentlich, und was bedeutet das rechtlich gesehen?

Ein Flugtaxi ist nur so einsatzfähig wie die Infrastruktur, auf der es basiert. eVTOLs benötigen eigene Start- und Landeplätze, sogenannte Vertiports. Und genau hier beginnt ein dichtes Geflecht rechtlicher Fragen, das weit über das Luftfahrtrecht hinausreicht.

Wer einen Vertiport errichten möchte, beispielsweise auf einem Dach, in einem Parkhaus oder in einem eigens dafür gebauten Terminal, sieht sich mit bau- und planungsrechtlichen Vorschriften konfrontiert. Zu klärende Fragen sind unter anderem: Baugenehmigungsverfahren, Lärmschutz, Sicherheitsabstände, Brandschutz, Zugangskontrolle und die Integration in bestehende Gebäude. Hinzu kommen Fragen der Raumordnung und der Nachbarrechte: Wer wegen Lärm, Verschattung oder Sicherheitsbedenken klagt, kann ein Projekt erheblich verzögern. Die Nutzung von Dachflächen wirft zudem Fragen des Eigentums- und Mietrechts auf. Kurz gesagt: Bevor das erste Flugtaxi landet, muss am Boden alles rechtlich geregelt sein.

Welche Vorschriften gelten und welche Genehmigungen sind erforderlich?

In Europa ist die EASA die zentrale Behörde für eVTOLs. Da diese Luftfahrzeuge nicht eindeutig als Flugzeug oder Hubschrauber klassifiziert werden können, hat die EASA eigene technische Anforderungen festgelegt: die „Special Condition for VTOL“ („SC-VTOL“), die erstmals im Juli 2019 veröffentlicht wurde.[4] Diese Sonderbedingung legt die Lufttüchtigkeitsstandards fest, nach denen eine Musterzulassung für ein VTOL-Luftfahrzeug der kleinen Kategorie zur Beförderung von Passagieren erteilt wird. Ihr Geltungsbereich umfasst Luftfahrzeuge mit maximal neun Sitzplätzen und einer maximalen Startmasse von 3.175 kg.

Für eine solche Musterzulassung muss der Hersteller umfassend nachweisen, dass sein Luftfahrzeug sicher ist, wobei alles von der Redundanz kritischer Systeme, der Steuerung, der Stromversorgung und der Software bis hin zu Betriebsgrenzen und Ausfallszenarien abgedeckt werden muss. Doch das allein reicht nicht aus: Für den gewerblichen Passagierverkehr sind zusätzlich Betriebsgenehmigungen erforderlich. Und sobald ein Flugtaxi Grenzen überquert, stellen sich Fragen hinsichtlich der gegenseitigen Anerkennung, der Betreiberzulassung und der behördlichen Aufsicht.

In der Schweiz ist das Bundesamt für Zivilluftfahrt („BAZL“) die zentrale Aufsichtsbehörde. Im Luftfahrtsektor übernimmt die Schweiz weitgehend europäische Vorschriften und ist durch das bilaterale Luftverkehrsabkommen eng in das europäische Luftfahrtrecht eingebunden. Für unbemannte Luftfahrzeuge gibt es bereits heute abgestufte Kategorien und Genehmigungsanforderungen sowie das Konzept der U-Space-Lufträume.[5] Das BAZL definiert diese als ausgewiesene Bereiche innerhalb des Schweizer Luftraums, in denen digitale Dienste den sicheren Betrieb von Drohnen unterstützen. Diese Bausteine bilden das Fundament, auf dem der künftige Betrieb bemannter Flugtaxis aufbauen wird.

Wem gehören eigentlich die Daten, die von einem Flugtaxi generiert werden?

Ein modernes eVTOL ist ein fliegender Datengenerator. Jeder Flug liefert hochsensible Informationen: Flugstrecken- und Standortdaten, Passagierdaten, Sensor-, Video- oder LiDAR-Daten sowie technische Status- und Wartungsdaten und Protokolle zu Notfällen und Zwischenfällen.

Die scheinbar einfache Frage „Wem gehören diese Daten?“ ist rechtlich komplex. Denn oft bestehen konkurrierende Interessen an denselben Datensätzen: Der Betreiber möchte sie für das Flottenmanagement nutzen, der Hersteller zur Produktverbesserung, Versicherer zur Risikobewertung, Behörden zur Unfallaufklärung, und der Fahrgast hat ein Recht auf den Schutz seiner personenbezogenen Daten. Daher muss sowohl vertraglich als auch datenschutzrechtlich geklärt werden: Wer darf welche Daten erheben, speichern, analysieren und weitergeben? Wer trägt die Verantwortung für deren Sicherheit? Und wie werden personenbezogene Daten geschützt, wenn Bewegungsprofile lückenlos erfasst werden? Wer diese Fragen nicht frühzeitig klärt, riskiert Streitigkeiten gerade dann, wenn Daten am wertvollsten oder am sensibelsten sind.

Und wenn etwas schiefgeht, wer haftet dann?

Es ist die Frage, die über allem schwebt: Wer haftet, wenn ein eVTOL abstürzt? Rechtlich ist dies noch weitgehend ungeklärt, weshalb es umso wichtiger ist, sich im Voraus Gedanken darüber zu machen.

Es sind mehrere, sich teilweise überschneidende Haftungsbereiche denkbar: die Haftung des Betreibers gegenüber Fahrgästen sowie gegenüber Dritten am Boden; die Produkthaftung des Herstellers; die Haftung für Wartungsfehler, Software- oder Sensorfehler sowie Cyberangriffe. Hinzu kommt die schwierige Frage des Regresses zwischen Versicherern, Betreibern, Herstellern und Zulieferern, also die Frage, wer am Ende der Kette letztlich die wirtschaftliche Last des Schadens trägt. Gleichzeitig müssen der Versicherungsschutz und mögliche Schadenersatzverfahren sorgfältig definiert werden. Gerade weil an einem einzigen Flug viele Parteien beteiligt sind, entscheidet die vertragliche Risikoverteilung im Vorfeld darüber, ob im Schadensfall Klarheit herrscht oder jahrelange Streitigkeiten entstehen.

Dürfen Volocopter derzeit in der Schweiz über Strassen fliegen?

Grundsätzlich ja; allerdings noch nicht im regulären kommerziellen Betrieb. Ein Volocopter darf in der Schweiz nur betrieben werden, wenn das Luftfahrzeug und der Betreiber zertifiziert sind, die jeweilige Flugstrecke genehmigt ist und die Start- und Landeinfrastruktur zugelassen ist. Der europäische Rechtsrahmen für bemannte eVTOL-Luftfahrzeuge ist grundsätzlich vorhanden; seine praktische Umsetzung in der Schweiz, insbesondere in Bezug auf Vertiports, Luftraumintegration und Genehmigungsverfahren, ist jedoch noch nicht vollständig etabliert.

Auf internationaler Ebene sind die Entwicklungen bereits weiter fortgeschritten: China hat bereits erste Genehmigungen für den kommerziellen eVTOL-Personenverkehr erteilt,[6] während die Vereinigten Staaten spezifische rechtliche Rahmenbedingungen für „Powered-Lift“- oder VTOL-Flugzeuge geschaffen haben.[7]

Der Schweizer Gesetzgeber muss daher klare und zügige Genehmigungsverfahren festlegen, die Zuständigkeiten zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden abstimmen, Vertiports gesetzlich verankern und die Integration von eVTOLs in den bestehenden Luftraum regeln. Gleichzeitig sind verhältnismässige Anforderungen in Bezug auf Sicherheit, Lärm, Haftung und Infrastruktur erforderlich. Ziel muss ein verlässlicher und innovationsfreundlicher Rechtsrahmen sein, der neue Konzepte der Luftmobilität ermöglicht, ohne dabei die Sicherheitsstandards zu senken.

Fazit

Die Zukunft der Luftmobilität ist technisch in greifbarer Nähe, rechtlich jedoch alles andere als einfach. Zwischen Typenzertifizierung, Vertiport-Genehmigungen, Datenhoheit und Haftungszuweisung spielt sich ein anspruchsvolles Zusammenspiel aus Luftfahrt-, Bau-, Datenschutz- und Haftungsrecht ab. Der Fall Volocopter zeigt zudem, dass selbst technologische Vorreiter auf tragfähige rechtliche und wirtschaftliche Strukturen angewiesen sind.

Wer Luftmobilität nutzen, betreiben, versichern oder rechtlich bewerten möchte, sollte sich bereits frühzeitig – noch bevor das erste Flugtaxi abhebt – über Genehmigungen, Haftung, Datenzugriff und die vertragliche Risikoverteilung im Klaren sein. LINDEMANNLAW verfügt über fundiertes Wissen, langjährige Erfahrung und bewährte Fachkompetenz genau in diesen Bereichen und ist Ihr geeigneter Partner, wenn Sie Rechtssicherheit im Bereich der Luftmobilität schaffen möchten.

[1] Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gegen die Volocopter GmbH – Amtsgericht Karlsruhe

[2] Piloten der ADAC Luftrettung fliegen erstmals mit VoloCity und der SimX Ground Station

[3]VoloCity

[4]Besondere Auflagen für VTOL-Flugzeuge und Nachweis der Einhaltung | EASA

[5]bazl.admin.ch/de/dlis-de

[6]Erste nationale Betriebsgenehmigungen für zivile unbemannte Luftfahrzeuge an Einzelpersonen erteilt – Nachrichten aus den Ministerien, Website der chinesischen Regierung

[7]Federal Register :: Integration von Powered-Lift-Flugzeugen: Pilotenzulassung und Betrieb; verschiedene Änderungen in Bezug auf Drehflügler und Flugzeuge

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Der Himmel wird zur Strasse: Was Sie über die rechtliche Situation von Flugtaxis wissen müssen
Baugenehmigungsverfahren in der Schweiz: Warum weniger Vorschriften mehr Wohnraum bedeuten


Vor mehr als einem Jahrzehnt bezifferte das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) die Regulierungskosten allein im Hochbau auf rund 1,6 Milliarden Schweizer Franken pro Jahr, was fast 6 Prozent des Bauvolumens entspricht[1], und seitdem hat die Regulierungsdichte nur noch zugenommen. Dennoch hat sich ein bequemer Reflex durchgesetzt: Bern solle das Problem lösen, und schnellere Verfahren würden ausreichen. Beide Annahmen greifen zu kurz. Wer den Bericht des Bundesrats vom 2. April 2026 zur Beschleunigung der Verfahren im Raumplanungs- und Baurecht[2] liest, wird feststellen: Gemäss Verfassung kann der Bund nur einen Teil der Lösung liefern, und selbst dort, wo er zuständig ist, trägt eine blosse Beschleunigung kaum dazu bei, die zugrunde liegende Ursache zu beheben.

  1. Who is responsible for building permit procedures and construction law in Switzerland?

Gemäss Artikel 75 Absatz 1 der Bundesverfassung (BV) ist der Bund befugt, Grundsätze im Bereich der Raumplanung festzulegen. Die Umsetzung obliegt den Kantonen, und das Baurecht selbst ist im Wesentlichen eine kantonale Angelegenheit. Der Bund regelt, was von nationaler Bedeutung ist, und muss den Kantonen bei der Umsetzung den grösstmöglichen Spielraum lassen, wie es ihre Verfahrenshoheit und ihre Organisationsautonomie erfordern (Artikel 46 Absatz 3 und Artikel 47 BV).[3] Jede Massnahme zur Beschleunigung von Verfahren muss an dieser Zuständigkeitsverteilung gemessen werden.


  1. Which acceleration measures has the Federal Council examined, and why does it reject most of them?

Der Bericht des Bundesrats untersucht sorgfältig die naheliegendsten Vorschläge, von der Auferlegung von Kosten für unterlegene Einsprecher bis hin zur automatischen Genehmigung nach Ablauf einer Frist. Für die meisten davon kommt er zum Schluss, dass sie in die kantonale Verfahrenshoheit eingreifen oder Grundrechte wie das Recht auf Anhörung (Artikel 29 Absatz 2 BV) und die Verfahrensgarantien der Nachbarn berühren würden. Dies ist keine aus Bequemlichkeit geborene Zurückhaltung, sondern die logische Konsequenz der verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung.

«In diesem Bereich kann der Bund nur das tun, was ihm die Verfassung erlaubt: nicht mehr und nicht weniger.»
  1. What can the Confederation actually deliver?

Damit bleiben drei oder vier Massnahmen, für die der Bund tatsächlich zuständig ist: die Erklärung des Wohnungsbaus zur Angelegenheit von nationalem Interesse, die Einschränkung der Beschwerdelegitimation und die Beschränkung der Beschwerdegründe vor dem Bundesgericht. Dies sind wichtige, aber von Natur aus begrenzte Hebel: Sie betreffen Verfahren vor dem Bundesgericht, der letzten von mehreren Instanzen, und nicht unbedingt den Ort, an dem die grössten Verzögerungen entstehen. Die Zürcher Seebahn-Höfe veranschaulichen dies: Die Wohnungsgenossenschaften ABZ und BEP planen seit rund zwanzig Jahren die Erneuerung ihrer Siedlungen aus den späten 1920er Jahren: 350 neue Genossenschaftswohnungen, Wohnraum für 1.000 statt der derzeitigen 500 Bewohner.[4] Nach jahrelangen Debatten zum Denkmalschutz und dem Planverfahren stand das Projekt dann im November 2025 vor einer Volksabstimmung.[5] Diese Verzögerungen liegen ausserhalb dessen, was der Bund regeln kann: Die Herausforderung bestand nie allein im Verfahren, sondern in der schieren Menge an inhaltlichen Fragen, die geklärt werden mussten.

  1. Why does the body of rules keep growing regardless?

Zwei aktuelle behördliche Beispiele zeigen, wie schnell der Regelungsumfang wächst: Die Sonderbauverordnung I des Kantons Zürich wurde mit der Energiegesetzrevision 2022 um rund ein Drittel erweitert[6], und die jüngste Revision des Raumplanungsgesetzes verlängert die überarbeiteten Artikel in ähnlicher Grössenordnung.[7] Hinzu kommt die kumulative Wirkung von Umwelt-, Lärmschutz-, Denkmalschutz-, Klima- und Energierecht auf allen Ebenen – auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene –, die jeweils unabhängig voneinander verschärft wurden und sich in der Praxis überschneiden. Oliver Streiff, Professor für öffentliches Recht an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), beschreibt diese Überlagerung von Vorschriften aus verschiedenen Rechtsgebieten als das Kernproblem des heutigen Raumplanungs- und Baurechts.[8] Das deckt sich mit den praktischen Erfahrungen: Ein Bauantrag durchläuft heute die Baubehörde sowie die Energie-, Lärm-, Gewässerschutz- und Verkehrsämter; jede Behörde verfolgt ihr eigenes Fachrecht, und jede Runde von Nachforderungen verlängert das Verfahren, unabhängig davon, wie digital das Formular ist oder wie sehr Bern die Beschwerdelegitimation einschränkt. Jede Überarbeitung ist für sich genommen gut begründet; in ihrer Gesamtheit ergeben sie jedoch ein Regelwerk, das kein Bauherr mehr überblicken kann und das selbst durch ein beschleunigtes Verfahren nicht kleiner wird.

«Komplexere Vorschriften führen nicht zu besseren Gebäuden. Sie verursachen höhere Kosten für den Staat, die Behörden und die Bauträger und verhindern den Bau von Wohnraum, den die Schweiz dringend benötigt.»
  1. What would actually help against the housing shortage?

Hans Wicki, Präsident des Dachverbands der Bauwirtschaft „Bauenschweiz“, bringt es auf den Punkt: Echte Entlastung würde nur durch einen erheblichen Abbau von Vorschriften auf allen Ebenen und in allen Fachbereichen entstehen – nicht nur im Verfahrensrecht und nicht nur in Bern. Der Kanton Zug erprobt genau diesen Weg mit seinen «weissen Zonen»: Bauzonen, in denen praktisch alle üblichen Bauvorschriften ausgesetzt würden: keine Mindestabstände, keine Höhenbegrenzungen, wobei nur sicherheitsrelevante Normen in Kraft blieben.[9] Jean-François Steiert, Präsident der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Baudirektoren, Raumplaner und Umweltschützer (BPUK), fügt hinzu: Die Kantone müssten wieder lernen, normenfrei zu denken. Das ist der richtige Hebel, aber ein rechtlich heikler: Wer Vorschriften abschafft, muss klären, wer haftet, wenn ohne Grenzabstände etwas schiefgeht, denn die verschuldensunabhängige Haftung des Bauherrn gemäss Artikel 58 des Obligationenrechts (OR) entfällt nicht automatisch mit ihnen.[10] Das ist eine mühsame Arbeit für die kantonalen Juristen, nicht für das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).

Unterdessen geht die Bautätigkeit zurück: Während 2018 noch gut 53.000 neue Wohnungen auf den Markt kamen, liegt die aktuellste Zahl bei rund 43.000; bei einer Nachfrage von rund 50.000 Einheiten pro Jahr entsteht so Jahr für Jahr eine Lücke von 7.000 bis 10.000 Wohnungen.[11] Entscheidend ist eine Erkenntnis, die in der Debatte um Schnelligkeit untergeht: Die Komplexität der Vorschriften führt nicht zu besseren Ergebnissen. Sie führt zu einem höheren staatlichen Anteil, zu höheren Kosten bei den Baubehörden, die die ständig wachsende Prüfungslast bewältigen müssen, und zu höheren Kosten für die Bauträger, die diese letztlich finanzieren. Vor allem verhindert sie dringend benötigte Projekte: in erster Linie neuen Wohnraum, der für die Schweiz von enormer Bedeutung ist. Der Bund kann seine verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen nutzen und leistet damit einen wichtigen, wenn auch begrenzten Beitrag. Doch eine echte Vereinfachung der Vorschriften kann nur gemeinsam von Bund und Kantonen erreicht werden, jeweils im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereichs. Erst wenn ein Bauprojekt weniger Vorschriften erfüllen muss – und nicht nur dieselben Vorschriften schneller –, wird wieder mehr gebaut werden.

Dr. iur. Alexander Schiemenz ist Gründungspartner von LINDEMANNLAW, Rechtsanwalt, Steuerberater, Immobilienentwickler und Investor.

Wie wir Ihnen helfen können

Planen Sie ein Immobilienprojekt, stehen Sie vor einem langwierigen Baugenehmigungsverfahren oder prüfen Sie die rechtlichen und haftungsrechtlichen Auswirkungen neuer Bauvorschriften? LINDEMANNLAW berät Bauträger, Investoren und Behörden in Fragen des Schweizer Bau-, Planungs- und Immobilienrechts. Kontaktieren Sie uns. Wir helfen Ihnen gerne weiter.

Read the full article on Finanz und Wirtschaft (FuW): Regulierungswut: Schnellere Bauverfahren lösen die Wohnungsnot nicht

Quellen:

[1] State Secretariat for Economic Affairs (SECO), Bericht über die Regulierungskosten (Report on Regulatory Costs), December 2013 (reference year 2011); cf. Kuster/Plaz/Curschellas, Regulierungskosten im Bereich Baurecht, Die Volkswirtschaft 1/2014: «Die Regulierungskosten des Hochbaus betragen für die Schweizer Wirtschaft im untersuchten Jahr 2011 insgesamt rund 1,6 Mrd. Franken oder knapp 6% des betrachteten Hochbauvolumens»

[2] Schweizer Bundesrat, Bericht „Verfahrensbeschleunigung im Raumplanungs- und Baurecht“ vom 2. April 2026 (vom Bundesrat am 22. April 2026 verabschiedet)

[3] Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101).

[4] Wohnbaugenossenschaften Zürich (Zurich housing cooperatives association), «Ja zum Gestaltungsplan ‹Seebahn-Höfe›»

[5] City of Zurich, media release «Volksreferendum gegen den privaten Gestaltungsplan ‹Seebahn-Höfe› zustande gekommen» of July 2025 (on municipal council resolution GR No. 2024/419 of 9 April 2025; popular vote of 30 November 2025)

[6] Besondere Bauverordnung I des Kantons Zürich (BBV I; LS 700.21)

[7] Änderung des Raumplanungsgesetzes vom 29. September 2023 (BBl 2023 2488), die seit 2026 schrittweise in Kraft tritt

[8] This and the following quotations from Hans Wicki and Jean-François Steiert after: Andreas Valda, «Überbordende Baunormen erdrücken den Wohnungsbau», Bilanz of 6 July 2026

[9] «Kanton Zug: Fast ohne Regeln — weisse Zonen sollen Wohnungsnot bekämpfen», 20 Minuten of 7 April 2026

[10] Bundesgesetz über die Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) vom 30. März 1911 (OR; SR 220).

[11] Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBBF), Aktionsplan „Wohnungsknappheit“, Rundtischgespräch vom 13. Februar 2024, S. 5

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Baugenehmigungsverfahren in der Schweiz: Warum weniger Vorschriften mehr Wohnraum bedeuten
Zwei Genehmigungssysteme, ein Netz: Warum die Schweizer Atommulden die Kosten bestimmen

On 1 April 2026, Switzerland's Acceleration Decree came largely into force, shortening permitting and appeal procedures for large solar, wind and hydropower installations of national interest. Eleven weeks later, on 19 June, Parliament lifted the fifteen-year ban on new nuclear plants, and left the licensing architecture for those plants exactly where it was, adding one new condition at the entrance. Demand is heading from roughly 60 terawatt-hours today toward 68 to 81 by 2050. The country now runs two permitting regimes for the same grid: a fast lane for renewables, and for nuclear the old road, with a new toll booth at the start of it.

We have made this argument in two parts already: in June, that the winter supply gap makes this a sovereignty question rather than an energy-policy preference; in July, that Parliament legalised the plant while refusing the financing that would make it bankable. This is the third part, and the one nobody is debating: the procedure.

1. What does the nuclear licensing procedure actually require today?

Three stages, in a fixed order. The first is the framework licence, the Rahmenbewilligung, granted by the Federal Council under Art. 12 para. 1 of the Nuclear Energy Act (KEG), submitted to the Federal Assembly for approval, and subject to the optional referendum (Art. 48 paras. 1, 2 and 4 KEG). The Assembly is not a rubber stamp in one direction only: if the Council refuses and the Assembly declines to endorse that refusal, it instructs the Council to grant the licence (Art. 48 para. 3).

Only then come the construction and operating licences, both granted by the federal department (Art. 15 and 19 KEG). The construction licence presupposes a legally final framework licence and a project that complies with it (Art. 16 para. 2). These stages run under the Administrative Procedure Act; no cantonal permits are required, and the host canton is heard and may appeal if the department licenses over its objection (Art. 49 paras. 1, 3 and 4).

What Parliament changed in June was the prohibition, not the architecture. The two ban provisions were deleted, together with the cross-reference to them in Art. 12 para. 1, and a condition was added that a framework licence may be granted only where construction and operation are financially secured. The legislator declined to write a ban on federal participation into the law, and has not designed one either. The sequence a sponsor must fund is unchanged, and it now carries an additional hurdle placed before the first stage rather than after it.

2. Why is the first stage the most expensive risk?

Because duration and risk are not the same cost. Duration is a financing problem: more interest capitalised before the first franc of revenue. Painful, but calculable. Risk is an equity problem: the possibility that money already spent produces nothing at all, priced not in basis points but in the return an investor demands before committing anything.

Swiss nuclear licensing concentrates that second cost at precisely the wrong place, and it does so in the statute rather than in practice. Art. 12 para. 2 KEG provides that there is no legal entitlement to a framework licence. The Federal Office of Energy spells out the consequence in its own materials: a refusal must be accepted by the applicant without compensation. Set that beside the condition Parliament has now added, and the sequence reads as follows.

Secure the financing first, for a licence the law says you have no right to, and whose refusal costs the state nothing.

That is not a drafting oversight; it is a genuine circularity, and the most expensive single feature of the Swiss framework. A financing structure must be demonstrated in advance of a decision that is political in character, that no applicant can compel, and whose failure the applicant bears alone. Andreas Pautz, professor of nuclear engineering at EPFL and head of nuclear energy and safety research at the Paul Scherrer Institute, made the same point in the NZZ on 10 August: the dominant risks are planning risks, meaning objections and adverse popular votes, and investors will demand a premium for them.

The asymmetry runs through the timing too. The framework licence sets a deadline for filing the construction application and lapses if it is missed (Art. 14 para. 3 and Art. 68 para. 2 KEG). The clock runs against the sponsor; no comparable clock runs against the authorities.

3. What would dropping the framework licence cost in law?

Pautz proposes waiving it at the existing sites of Gösgen and Leibstadt: Western reactor designs are licensable in Switzerland in principle, those sites have demonstrated their suitability, and a two-stage procedure would, he argues, not offend Swiss democratic principles since the construction and operating licences remain. On the substance that is defensible; the technical assessment sits in those later stages.

But the stage is not only a technical filter. It is where the optional referendum sits (Art. 48 para. 4) and where participation is concentrated: application, expert opinions and cantonal positions lie open for three months, anyone may file objections, and parties may lodge formal opposition (Art. 45 and 46 KEG). Delete the stage and you delete a federal referendum right and the principal participation window with it. That engages the guarantee of access to a court under Art. 29a of the Federal Constitution and pushes objections downstream rather than removing them.

For capital, the consequence is counter-intuitive and decisive. Political risk does not disappear when the vote is removed; it relocates: to the construction licence, where the host canton keeps its own appeal right, and to a fresh popular initiative aimed at the outcome. A procedure that removes the ballot without putting finality in its place buys a few years and sells the certainty that made those years worth buying. That is our one departure from an otherwise sound analysis: keep the stage, and make the framework around it bankable.

4. What is actually missing, then?

Less than the acceleration rhetoric suggests, and something more specific. Two of the elements usually demanded already exist: preclusion, since whoever does not file opposition within the inspection period in the construction-licence procedure is excluded from the remainder of the proceedings (Art. 55 para. 1 KEG), and binding effect downward, since the construction licence requires a legally final framework licence and compliance with it (Art. 16 para. 2).

What is missing is narrower and more expensive. First, deadlines that bind the authorities, of the kind the Acceleration Decree now applies to large renewables projects: technology neutrality is not only about what may be built, but about how long the state may take to answer. Second, a rule on frustrated expenditure, since Art. 12 para. 2 places the entire loss of a failed framework procedure on the applicant, a defensible allocation when nobody was expected to apply and an expensive one now that Parliament wants applications. Third, sequencing: requiring proof of secured financing before a political decision no one can compel inverts the order in which infrastructure is actually financed. Fourth, an instrument rather than an unused option: a contract for difference, squared against the Electricity Supply Act, the Energy Act and the 2024 electricity package, treated openly as state aid, and negotiated with the Swiss–EU electricity file in view rather than around it. Pautz points to the same instrument, and to the Swedish combination of low-interest state loans and state co-ownership. Build cost per kilowatt matters, but next to these it is second order.

5. What has to be on the table before the vote?

The calendar is tighter than it looks. The Federal Chancellery reserves 28 February 2027 as the first federal voting date of that year, and the Federal Council settles at least four months beforehand which items actually go to the ballot. The substantive decisions therefore have to be visible this autumn, not in the new year: which risk-transfer instrument the Confederation contemplates; who absorbs construction-cost overrun; what becomes of sunk pre-development cost when a stage fails; and how the long tail is funded, meaning nuclear liability and the decommissioning and waste-disposal funds under Art. 77 KEG, bearing in mind that waste from any new plant would need its own framework licensing procedure for a repository.

On that last point the law is more revealing than the political debate. Art. 80 para. 4 KEG provides that where covering a shortfall is not economically bearable for those subject to the top-up obligation, the Federal Assembly decides whether and to what extent the Confederation contributes to the uncovered costs. The state already stands behind the back end of the nuclear balance sheet.

The other side of the argument

The alliance that launched the referendum on 30 June argues that new plants would deepen Switzerland's dependence on uranium imports from Russia, slow the expansion of renewables, and cost billions. Those objections deserve answers rather than dismissal.

Two are answerable. Dependence is not avoided by choosing renewables but relocated, to Chinese solar manufacturing and to the rare earths wind turbines require, as Pautz notes. And uranium can be stockpiled in a way gas cannot, from a supplier base running from Australia and Canada to Namibia and Kazakhstan. Cost is a reason to structure financing intelligently, not to rule out a technology. The third objection is the strongest: neither the financing architecture nor the procedural reform is on the ballot. On that we agree, and draw the opposite conclusion. A vote on an incomplete framework is an argument for completing the framework before the vote, not for rejecting the option and discovering in the winters after 2035 that the alternative was permanent import dependence.

Our view

Our position has not moved: Switzerland needs new nuclear. A firm domestic baseload on the order of 25 to 30 terawatt-hours, roughly today's nuclear share carried into a larger system, is what energy sovereignty actually looks like, and the designs that would supply it, including the small modular units now approaching deployment, are markedly safer than the plants they would replace. Pautz puts that comparison more sharply than we would: «Zehn weitere Jahre Betrieb von Altanlagen sind riskanter als ein neues AKW.»

Switzerland has built a fast lane for one set of technologies and left another on a road it has not resurfaced since 2003. The asymmetry inside the nuclear regime is sharper still: the Confederation has left the risk at the front of a project uncarried, where it is cheap, calculable and would move the financing cost that decides everything else, while the law already has it carrying residual risk at the back, where it is open-ended.

In July we wrote that permission without financing is symbolism rather than location policy. The same is true of permission without procedure. The correction is not to demolish a licensing stage and call it acceleration. It is to bind the authorities to deadlines as the law now binds the applicant, to say what happens to frustrated expenditure when a stage fails, to sequence the financing condition so that it follows the political decision instead of preceding it, and to legislate an instrument an investor can underwrite. Permission that cannot be relied upon is not an investment framework. Switzerland has one autumn to turn one into the other.

Dr. iur. Alexander Schiemenz is a co-founder of TND Universe, which creates, invests in and delivers real estate, mobility and energy solutions across their full lifecycle. If you are assessing an energy infrastructure position ahead of the vote, we advise on permitting risk, financing structure and the legal architecture that decides whether a permitted project is a bankable one.

Sources

1. Nuclear Energy Act (KEG), SR 732.1, consolidated text. Fedlex: https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2004/723/de

2. Acceleration Decree for renewable energies, in force 1 April 2026. Federal Office for Spatial Development (ARE): https://www.are.admin.ch/de/beschleunigungserlass-erneuerbare-energien

3. Indirect counter-proposal to the "Blackout stoppen" initiative, explanatory report (provisions deleted; no compensation on refusal; separate licensing procedure for a repository). SFOE/DETEC: https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/91232.pdf

4. Federal Council message of 13 August 2025 on the indirect counter-proposal. admin.ch: https://www.admin.ch/de/newnsb/GIECKzWVs6ZX6W1ba4i6X

5. UREK-S of 20 January 2026, recommendation to lift the framework-licence ban. Parliamentary Services: https://www.parlament.ch/press-releases/Pages/mm-urek-s-2026-01-20.aspx?lang=1031

6. Council of States decision of 11 March 2026, financing condition. Parliamentary Services: https://www.parlament.ch/de/services/news/Seiten/2026/20260311124425486194158159026_bsd112.aspx

7. Launch of the referendum on 30 June 2026 and the alliance's arguments. Federal Chancellery media announcement: https://www.admin.ch/de/medienkonferenz-nein-zu-neuen-akw-lancierung-des-referendums-gegen-das-atom-gesetz

8. Reserved federal voting dates; Federal Council fixes the agenda at least four months in advance. Federal Chancellery: https://www.bk.admin.ch/ch/d/pore/va/vab_1_3_3_1.html

9. Interview with Andreas Pautz (EPFL / Paul Scherrer Institute), Neue Zürcher Zeitung, 10 August 2026

10. TND Universe, "A Permit Is Not a Power Plant" (13 July 2026): /news/a-permit-is-not-a-power-plant-switzerlands-half-decision-on-new-nuclear

11. TND Universe, "Sovereignty, supply gaps, SMRs" (11 June 2026): /news/five-five-sovereignty-supply-gaps-smrs-what-needs-to-be-understood-before-switzerland-decides-on-nuclear

Nachricht
Zwei Genehmigungssysteme, ein Netz: Warum die Schweizer Atommulden die Kosten bestimmen
Wer haftet, wenn das Auto von selbst lenkt?

Das selbstfahrende Auto ist keine Science-Fiction mehr, es rollt bereits auf Schweizer Strassen. Seit dem 1. März 2025 verfügt die Schweiz mit der Verordnung über automatisiertes Fahren (VAF)[1] über einen klaren Rechtsrahmen, der erstmals ausdrücklich Autobahnpiloten, fahrerlose Fahrzeuge und automatisiertes Parken zulässt. Ausnahmsweise war der Gesetzgeber sogar schneller als die Industrie; zwar sind die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, doch gibt es derzeit noch keine Serienfahrzeuge mit einem zugelassenen Automatisierungssystem auf dem Markt.

Die Rechtsvorschriften entwickeln sich nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit rasant weiter. Auch EU-Richtlinien, EU-Verordnungen und UNECE-Regelungen sind für die Schweiz verbindlich. Diese internationalen Anforderungen gewährleisten die technische Harmonisierung von Strassenfahrzeugen und fördern die Verkehrssicherheit, den Umweltschutz und den freien Warenverkehr.

Photo by Aamy Dugiere on Unsplash

Die folgenden Regelwerke sind für das automatisierte Fahren von besonderer Bedeutung:

  1. Regulation (EU) 2022/1426[1] (in conjunction with Regulation (EU) 2019/2144[2] and Delegated Regulation (EU) 2022/2236[3]) on the type-approval of the automated driving system (ADS) of fully automated vehicles;
  2. the UNECE Regulations on cybersecurity (No. 155)[4], software updates (No. 156)[5], automated lane-keeping systems (No. 157)[6] and driver assistance systems (No. 171)[7]; and
  3. the Vienna Convention of 8 November 1968 on Road Traffic (SR 0.741.10)[8], in particular on the question of whether a driver must be present.

Für Unternehmen, Investoren, Flottenbetreiber und Mobilitätsdienstleister eröffnet dieser neue Rechtsrahmen erhebliche Chancen, wirft aber auch anspruchsvolle rechtliche Fragen auf. Im Folgenden beantworten wir fünf davon.

Wann fährt ein Auto eigentlich „von selbst“?

Nicht jedes Fahrzeug mit einem Assistenzsystem ist ein autonomes Fahrzeug. Die international anerkannte Norm SAE J3016 unterscheidet sechs Automatisierungsstufen, von Stufe 0 bis Stufe 5:

Source: SAE International, Standard J3016. Illustration: TND Universe.

Autonomes Fahren beginnt erst ab Stufe 3: Fahrzeuge, die die Fahraufgaben dauerhaft und umfassend übernehmen können, zumindest unter bestimmten Bedingungen. Nur die höchste Stufe, Stufe 5, ist im wahrsten Sinne des Wortes „autonom“; die heutigen Systeme erreichen technisch gesehen maximal Stufe 3.

In der Schweiz sind seit März 2025 drei konkrete Anwendungsfälle zugelassen:

1. Der Autobahn-Pilot: Fahrer dürfen auf Autobahnen die Hände vom Lenkrad nehmen, müssen jedoch jederzeit in der Lage sein, wieder einzugreifen, wenn sie vom System dazu aufgefordert werden;

2. automatisiertes Parken ohne Anwesenheit eines Fahrers in dafür ausgewiesenen Parkhäusern; und

3. der Betrieb von fahrerlosen Fahrzeugen auf von den Behörden genehmigten Strecken.

Welche Genehmigungen und technischen Anforderungen sind erforderlich?

Fahrzeuge mit einem Automatisierungssystem müssen besondere Anforderungen erfüllen, die über die allgemeinen Anforderungen hinausgehen, um zugelassen zu werden. Gemäss den in Art. 3 VAF festgelegten allgemeinen Anforderungen muss das System das Fahrzeug in Längs- und Querrichtung steuern, jederzeit intuitiv deaktivierbar sein, über Funktionen zur Unfallvermeidung sowie Schutzmassnahmen gegen unrechtmässige Eingriffe Dritter verfügen und alle Verkehrssituationen gemäss anerkannten internationalen Regeln bewältigen können. Während des Betriebs muss das System die Steuerung des Fahrzeugs kontinuierlich, umfassend und zuverlässig übernehmen, alle einschlägigen Verkehrsregeln einhalten, technische Störungen erkennen und den Bedarf an menschlichem Eingreifen mit ausreichender Zeitreserve anzeigen (Art. 3 Abs. 2 und 3 VAF).

Die Speicherung der Fahrmodi ist von zentraler Bedeutung (Art. 7 VAF): Automatisierte Fahrzeuge müssen bestimmte Ereignisse (wie Notmanöver, Kollisionen oder technische Störungen) zusammen mit Datenelementen wie der Art des Ereignisses, dem Zeitstempel und der Position aufzeichnen. Darüber hinaus müssen die Hersteller während des gesamten unterstützten Betriebszeitraums über gültige Zertifikate einer nationalen Typgenehmigungsbehörde für die Managementsysteme zur Cybersicherheit (UN-Regelung Nr. 155), Software-Updates (UN-Regelung Nr. 156) sowie die Sicherheit für fahrerlose Fahrzeuge gemäss der Verordnung (EU) 2022/1426 (Art. 8 VAF) vorhalten.

Bemerkenswert ist der Ansatz der Schweiz bei der Typengenehmigung (Art. 11 ff. VAF): Die Schweiz verzichtet derzeit auf eigene Typengenehmigungsvorschriften und erkennt stattdessen die Anforderungen der EU und der UNECE an. Automatisierte Fahrzeuge, die hier zugelassen werden sollen, benötigen daher eine ausländische Typengenehmigung; Das ASTRA (Bundesamt für Strassen) führt lediglich stichprobenartige Konformitätsprüfungen durch. Hersteller und Importeure von fahrerlosen Fahrzeugen müssen sicherheitsrelevante Vorfälle dem ASTRA melden, und das ASTRA kann neue Vorschriften für bereits zugelassene Fahrzeuge erlassen, beispielsweise im Falle eines Hackerangriffs (Art. 6 VAF). Der Betrieb ist somit stark an Zulassungs- und Betriebsbedingungen gebunden: Selbstfahrende Fahrzeuge benötigen kantonal genehmigte Strecken und müssen von Betreibern aus einer Leitstelle überwacht werden.

Was geschieht mit den aufgezeichneten Daten?

Automatisierte Fahrzeuge müssen mit einem Fahrmodus-Speicher (umgangssprachlich „Blackbox“) ausgestattet sein, der Ereignisse wie den Beginn und das Ende von Notmanövern, Systemausfälle, Kollisionen sowie die Aktivierung und Deaktivierung des Automatisierungssystems aufzeichnet. Die Verarbeitung dieser Daten unterliegt strengen Auflagen: Gemäss § 25g Abs. 3 SVG dürfen die Daten von den zuständigen Polizei-, Justiz- und Verwaltungsbehörden ausschliesslich zum Zweck der Unfallermittlung oder der Beurteilung von Verstössen gegen die Strassenverkehrsordnung ausgelesen und verarbeitet werden.

Hersteller und Importeure von fahrerlosen Fahrzeugen sowie von Fahrzeugen mit automatisiertem Parksystem müssen sicherheitsrelevante Vorfälle an das ASTRA melden und mit den Fahrzeughaltern oder den Betreibern zugelassener Parkplätze vereinbaren, wie die erforderlichen Informationen eingeholt werden sollen. Betreiber von Parkhäusern, die automatisiertes Parken anbieten, müssen zudem im Falle eines Unfalls die Polizei benachrichtigen. Der Datenschutz und der kontrollierte Zugriff auf diese Fahrdaten sind daher ein zentraler und rechtlich sensibler Baustein der neuen Regelung, insbesondere für Flottenbetreiber und Mobilitätsanbieter, die grosse Datenmengen verarbeiten.

Wer haftet, wenn die Software das Steuer übernimmt?

Wird eine Person bei einem Unfall verletzt, leistet der Versicherer grundsätzlich zunächst Schadenersatz; erst danach wird geklärt, wer tatsächlich verantwortlich war. Der entscheidende Punkt: Trotz technischer Autonomie haftet der Fahrzeughalter weiterhin nach der Kausalhaftung gemäss § 58 SVG, einer verschuldensunabhängigen, risikobasierten Haftung. Bei einem Unfall mit einem automatisierten Fahrzeug kommen letztlich drei Ebenen der Kausalität in Betracht:

  1. the manufacturer (for instance in the case of software or sensor faults under the Product Liability Act);
  2. the driver (if they were steering themselves at the time of the accident); or
  3. the keeper (for example in the case of inadequate maintenance).

Rechtlich gesehen ist dies deshalb so interessant, weil sich die Risikoverteilung spürbar verschiebt: vom Fahrer zur Systemfunktion, vom klassischen Fahrfehler zu einem Produkt-, Software- oder Wartungsfehler, von der reinen SVG-Haftung hin zu Fragen des Regresses, der Produkthaftung und der Beweislage sowie vom sichtbaren Unfallhergang hin zur Auswertung technischer Daten. Ob zum Zeitpunkt des Unfalls der Mensch oder das System die Kontrolle hatte, lässt sich anhand des Fahrmodus-Speichers nachvollziehen. Die Auswertung dieser Daten wird somit entscheidend für die Geltendmachung von Regressansprüchen. Für Hersteller, Importeure und Betreiber bedeutet dies ein potenziell höheres Haftungsrisiko; für alle Beteiligten besteht die dringende Notwendigkeit, die vertragliche Risikoverteilung frühzeitig und eindeutig zu regeln.

Welche Rolle spielt die Cybersicherheit?

Ein autonomes Fahrzeug ist im Wesentlichen ein rollender Computer und somit ein potenzielles Ziel für Cyberangriffe. Cybersicherheit ist daher nicht nur ein nebensächliches technisches Thema, sondern ein tragendes Element des Typgenehmigungsverfahrens. Die Hersteller müssen über gültige Zertifikate für ihr Cybersicherheits-Managementsystem gemäss der UN-Regelung Nr. 155 und für ihr Software-Update-Managementsystem gemäss der UN-Regelung Nr. 156 verfügen, und zwar für die gesamte unterstützte Betriebsdauer des Fahrzeugs. Ziel ist es, Angriffe von aussen zu verhindern und Ausfälle sowie Fehlfunktionen zu vermeiden.

Die Verordnung trägt diesem Risiko zudem dynamisch Rechnung: Das ASTRA kann neue Bestimmungen sogar rückwirkend auf Fahrzeuge anwenden, die bereits zugelassen und in Verkehr gebracht wurden, beispielsweise wenn bestimmte Fahrzeugtypen von einem Hackerangriff betroffen sind (Art. 6 VAF). Für Unternehmen bedeutet dies: Cybersicherheit ist keine einmalige Zulassungshürde, sondern eine fortlaufende rechtliche und organisatorische Verpflichtung über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs hinweg.

Fazit

Autonome Fahrzeuge werden die Mobilität grundlegend verändern, und in der Schweiz sind sie bereits Realität. Im Zürcher Furttal setzen das Swiss Transit Lab, die Kantone Zürich und Aargau sowie die SBB (Schweizerische Bundesbahnen) im Rahmen des Pilotprojekts „iamo“ (intelligente automatisierte Mobilität) autonome Fahrzeuge ein; Nach der Genehmigung durch das ASTRA verkehren sie erstmals im automatisierten Modus auf öffentlichen Strassen, und die Öffentlichkeit soll den Dienst voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2026 nutzen können[10]. Fahrzeuge der Stufe 5 gibt es zwar noch nicht, doch die Entwicklung schreitet rasch voran, und es ist absehbar, dass die vollständige Automatisierung in nicht allzu ferner Zukunft folgen wird.

Die automatisierte Mobilität eröffnet Investoren, Entwicklern und Betreibern neue Chancen und wirft dabei eine Reihe von Fragen auf, die frühzeitig geklärt werden müssen: Genehmigungen und Zulassungen, Haftungs- und Regressrisiken, Datenzugriff und Datenschutz sowie die Risikoverteilung zwischen Herstellern, Importeuren, Betreibern und Nutzern. Erst die frühzeitige Klärung dieser Fragen macht aus einer vielversprechenden Technologie eine solide, langfristige Investition.

Genau hier liegt der Mehrwert von TND Universe. Mit unserer Expertise in den Bereichen Immobilien, Mobilität und Energie sowie unserem Engagement für nachhaltige Entwicklung, Transparenz und langfristige Investitionsintegrität unterstützen wir unsere Kunden dabei, Chancen im Bereich der automatisierten Mobilität über deren gesamten Lebenszyklus hinweg zu bewerten, zu strukturieren und zu realisieren – von der anfänglichen Due-Diligence-Prüfung bis hin zum Betrieb und zur Wertschöpfung.

Sprechen Sie mit uns. Ganz gleich, ob Sie in Lösungen für die automatisierte Mobilität investieren, diese entwickeln oder betreiben möchten – unser Team unterstützt Sie dabei, die Risiken zu meistern und die Chancen dieses sich rasant entwickelnden Bereichs zu nutzen. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch.

Quellen

[1] AS 2025 50 – Verordnung vom 13. Dezember 2024 über automatisiertes Fahren (VAF) | Fedlex

[2] Durchführungsverordnung – 2022/1426 – EN – EUR-Lex

[3] Verordnung – 2019/2144 – EN – EUR-Lex

[4] Delegierte Verordnung – 2022/2236 – EN – EUR-Lex

[5] UN-Regelung Nr. 155 – Einheitliche Vorschriften für die Genehmigung von Fahrzeugen hinsichtlich der Cybersicherheit und des Cybersicherheits-Managementsystems [2025/5]

[6] UN-Regelung Nr. 156 – Software-Updates und System zur Verwaltung von Software-Updates | UNECE

[7] UN-Regelung Nr. 157 – Automatische Spurhalteassistenzsysteme (ALKS) | UNECE

[8] UN-Regelung Nr. 171 – Einheitliche Vorschriften für die Genehmigung von Kraftfahrzeugen hinsichtlich Fahrerassistenzsystemen (DCAS) [2024/2689]

[9] SR 0.741.10 – Übereinkommen vom 8. November 1968 über den Strassenverkehr (mit Anhängen) | Fedlex

[10] iamo – intelligente automatisierte Mobilität; Pilotprojekt „iamo“ zum automatisierten Fahren im Furttal | Kanton Zürich

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Wer haftet, wenn das Auto von selbst lenkt?
Eine Genehmigung ist kein Kraftwerk: Die halbherzige Entscheidung der Schweiz zum Atomausbau

Am 29. Juni 2026 veröffentlichten die ETH Zürich und das Paul-Scherrer-Institut ein gemeinsames Whitepaper, an dem neunzehn Forscher aus vier unabhängigen Energiesystemmodellen mitgewirkt hatten. Die Botschaft ist klar: Neue Kernkraftwerke werden in der Schweiz wettbewerbsfähig, sobald drei Bedingungen erfüllt sind: Der Staat fördert die Kernenergie neben den erneuerbaren Energien, die Finanzierungskosten sinken durch Garantien oder Differenzkontrakte von rund 8 Prozent auf 5 Prozent, und die Baukosten bewegen sich in Richtung 8'000 CHF pro Kilowatt oder darunter. Je niedriger die Baukosten, desto überzeugender die Argumente: In einem der vier Modelle rechnet sich der Neubau von Kernkraftwerken bereits bei 12'000 CHF pro Kilowatt, und in weiteren Modellen kommt dies mit sinkenden Kosten in Richtung 5'000 CHF zum Tragen.

Genau darin liegt der Widerspruch: Das Parlament hat neue Anlagen ermöglicht, gleichzeitig aber genau jene Unterstützung verweigert, die laut der Studie deren Voraussetzung ist. Die Aufhebung des Verbots ist richtig, stellt jedoch nur die Hälfte einer Entscheidung dar. Die folgenden fünf Fragen verdeutlichen, was beschlossen wurde, was ausgelassen wurde und was vor der Abstimmung noch geklärt werden muss.

Eine Genehmigung ist kein Kraftwerk. Das Parlament hat den Bau genehmigt und im selben Atemzug genau das verboten, was das Projekt finanzierbar machen würde.

1. Was hat das Parlament eigentlich beschlossen, und was hat es ausgelassen?

Am 18. Juni 2026 nahm der Nationalrat, nach dem Ständerat, den indirekten Gegenvorschlag des Bundesrats zur Initiative «Blackout stoppen» mit 108 zu 87 Stimmen an und machte damit den Bau neuer Kernkraftwerke zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren wieder rechtlich möglich. Konkret streicht der Gegenvorschlag Artikel 12a und Artikel 106 Absatz 1bis des Kernenergiegesetzes (KEG) – jene Bestimmungen, die seit 2018 jede Rahmenbewilligung für ein neues Kraftwerk untersagten – und fügt die Auflage ein, dass die Finanzierung im Voraus gesichert sein muss. Auf den ersten Blick stellt dies die Technologieneutralität wieder her. Doch die parlamentarische Mehrheit ging über eine blosse Erlaubnis hinaus: Der Nationalrat lehnt staatliche Unterstützung für neue Reaktoren ab und würde eine Rahmenbewilligung nur dann erteilen, wenn Bau und Betrieb eines Kraftwerks auf privater Basis finanziell gesichert sind. Mit anderen Worten: Der Gesetzgeber hat die Tür wieder geöffnet und gleichzeitig die Rampe entfernt, die dorthin führt. Der Beschluss beantwortet die Frage der Rechtmässigkeit. Er lässt jedoch die Frage völlig offen, die tatsächlich darüber entscheidet, ob eine Anlage jemals gebaut wird: Wer trägt das jahrzehntelange finanzielle Risiko – genau der Punkt, den die ETH-Studie in den Mittelpunkt stellt.

2. Was zeigt die ETH-Studie, und in welchen Punkten gehen unsere Ansichten auseinander?

Die Berechnung ist sorgfältig durchgeführt und stimmt für sich genommen: Neue Kraftwerke werden wettbewerbsfähig, sobald der Staat sie fördert, die Finanzierungskosten sinken von rund 8 Prozent auf 5 Prozent, und die Baukosten bewegen sich in Richtung 8'000 CHF pro Kilowatt. Das akzeptieren wir. Zwei Aspekte verdienen jedoch besondere Beachtung. Die Analyse modelliert kleine modulare Reaktoren nicht als eigenständige Technologie. Sie stellt die Kernenergie anhand eines einzigen Kapitalkostensatzes pro Kilowatt installierter Leistung dar, und ihr teuerster Fall – 12.000 CHF pro Kilowatt – stammt aus jüngsten, in ihrer Art einzigartigen Gigawatt-Projekten in Europa und den Vereinigten Staaten. Die Autoren selbst führen diese Preise darauf zurück, dass es sich um die ersten Projekte dieser Art handelt, und gehen davon aus, dass die Kosten durch Lerneffekte auf 8’000 CHF sinken werden. Die serielle, werkseitige Fertigung modularer Reaktoren ist genau der Weg zu den niedrigeren Kosten, bei denen die Modelle positiv ausfallen, doch sie wird in den Modellen nicht berücksichtigt. Und obwohl es stimmt, dass die Schweiz ohne neue Kernkraftwerke Netto-Null erreichen könnte, indem sie etwa drei Viertel der Versorgung aus Wasserkraft und Photovoltaik deckt, akzeptiert dieser Weg stillschweigend eine strukturelle Abhängigkeit von Winterimporten als Preis dafür. Das sind wir nicht bereit zu akzeptieren. Hohe Kosten für den ersten Reaktor seiner Art sind ein Argument für ein ernsthaftes Bauprogramm und solide Finanzierungsrahmen – nicht dafür, die Kernenergie als optional zu betrachten.

Construction cost
​Figure 1: With political support and financing costs cut from 8% to 5%, construction cost decides how much new nuclear gets built across the four models. At CHF 12,000 per kilowatt, capacity falls toward zero in three of the four. Data: ETH Zurich / PSI (29 June 2026); figure recreated in English by TND Universe.​

3. Wie viel Kernenergie braucht die Schweiz, um ihre Souveränität zu wahren?

Genug, um die Kontrolle über die eigene Winterversorgung zu behalten. Der Bedarf wird voraussichtlich von derzeit etwa 57 Terawattstunden auf 75 bis 90 Terawattstunden im Jahr 2050 steigen, da Verkehr, Heizung und Industrie zunehmend elektrifiziert werden, während gleichzeitig die bestehenden Reaktoren, die etwa 23 Terawattstunden erzeugen, das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. In einer kalten, windstillen Winternacht können Solarenergie und Laufwasserkraftwerke diese Last nicht decken, und die Lücke wird durch Importe aus Nachbarländern geschlossen, deren eigene Reserven schwinden. Eine stabile inländische Grundlast von 25 bis 30 Terawattstunden – in etwa der heutige Anteil der Kernenergie, übertragen auf ein grösseres System – würde diese Kapazität in Schweizer Händen halten, anstatt sie einem Markt zu überlassen, den das Land nicht steuert. Die Reaktorflotte unersetzt auslaufen zu lassen, bewirkt das Gegenteil. Dass der Bau von Reaktoren langsam oder kostspielig ist, ist ein Argument, das die Umsetzung, nicht aber die Ausrichtung betrifft, und die Technologie liefert einen Teil der Antwort darauf: Die neuesten Konzepte, darunter die kleinen modularen Einheiten, die nun kurz vor dem Einsatz stehen, sind deutlich sicherer als die Anlagen, die sie ersetzen würden – sie basieren auf passiver Sicherheit und benötigen weitaus weniger Platz. Der klügere Weg besteht darin, diese feste Kapazität als das strategische Gut zu behandeln, das sie ist: eine verlässliche Grundlage für die zukünftige Versorgung des Landes.

4. Gibt es einen rechtmässigen Finanzierungsweg, und sollte der Staat diesen einschlagen?

Es gibt sie, und die Schweiz verfügt über die rechtlichen Instrumente, um sie zu schaffen. Ein Differenzvertrag, bei dem der Staat einen festen Ausübungspreis garantiert und die Differenz in beide Richtungen ausgleicht, ist das Instrument, auf das die Autoren der ETH hinweisen – und genau das lehnt der Nationalrat ab. Seine Einführung würde bedeuten, es mit dem Stromversorgungsgesetz (StromVG), dem Energiegesetz (EnG) und dem „Mantelerlass“ von 2024 zur sicheren Stromversorgung aus erneuerbaren Energien in Einklang zu bringen und es ehrlich als staatliche Beihilfe zu behandeln. Nichts davon ist so sehr ein Hindernis wie vielmehr eine gestalterische Aufgabe: Die Europäische Union nutzt bereits einen Differenzvertrag für neue Kernkraftwerke, nämlich bei Hinkley Point C, was zeigt, dass das Instrument praktikabel und nicht verboten ist, und der Schweiz eine Vorlage für Verhandlungen in ihren eigenen Stromgesprächen mit Brüssel liefert. Hinter den Baukosten verbergen sich langfristige Kosten, die Haftung nach dem Kernenergiehaftungsgesetz sowie der Stilllegungs- und Entsorgungsfonds – und ein solides Rahmenwerk, das dies von Anfang an einkalkuliert. Dies sind Gründe, die Finanzierung sorgfältig zu gestalten. Sie sind keine Gründe, die Genehmigung ungenutzt zu lassen.

5. Was sollte jetzt, in der Zeit bis Februar 2027, beschlossen werden?

Die Versorgungslücke ist real und vergrössert sich mit der Elektrifizierung der Wirtschaft: Benzinfahrzeuge weichen Elektroautos, Öl- und Gaskessel werden durch Wärmepumpen ersetzt, mit fossilen Brennstoffen betriebene Industrieprozesse durch elektrische, und digitale Infrastruktur sowie Rechenzentren verursachen zusätzliche Lasten. Ohne eine solide inländische Grundlast wird die Schweiz diesen steigenden Winterbedarf Jahr für Jahr durch Importe decken müssen. Das ist ein Argument dafür, eine ernsthafte Entscheidung zu treffen – und nicht nur eine halbherzige. Wenn das Land die Kernenergieoption ernsthaft verfolgen will, muss es die Finanzierungsarchitektur gesetzlich verankern, die die ETH-Studie selbst als Voraussetzung identifiziert: einen definierten Risikotransfermechanismus, einen bankfähigen Genehmigungsrahmen und eine klare Antwort in Bezug auf staatliche Beihilfen und das EU-Stromdossier. Was sie nicht tun sollte, ist das, was sie bisher getan hat: den Bau des Kraftwerks genehmigen, die Finanzierung verbieten und es den Investoren überlassen, diesen Widerspruch in Einklang zu bringen. Die Schweiz hat den einfachen Teil der Entscheidung getroffen. Der schwierige Teil liegt noch auf dem Tisch, und die Monate vor der Abstimmung sind die Zeit, ihn dort anzugehen.

Gegner, darunter die Schweizerische Energiestiftung, die Sozialdemokraten und die Grünen, werten dieselbe Studie als Beweis dafür, dass neue Kernkraftwerke weder wirtschaftlich noch notwendig sind, und wollen, dass die Aufhebung an der Urne abgelehnt wird. Wir interpretieren sie anders. Ein System, in dem die Netto-Null technisch ohne Kernkraft erreichbar ist, ist nicht gleichbedeutend mit einer Versorgung, die auch im tiefsten Winter sicher, souverän und bezahlbar bleibt. Die Kosten sind ein Grund, die Finanzierung intelligent zu gestalten, nicht aber ein Grund, eine Technologie auszuschliessen, die das Land brauchen wird.

Unsere Sichtweise

Aus rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht ist die Aufhebung des Neubauverbots nur ein erster Schritt, noch kein bankfähiger Investitionsrahmen. Solange der Gesetzgeber keine Finanzierungsarchitektur schafft, auf die sich Investoren verlassen können, fehlt die für Infrastrukturinvestitionen erforderliche Planungssicherheit. Unsere Position ist klar, und sie entspricht nicht der der Studie: Die Schweiz braucht neue Kernkraftwerke. Eine solide inländische Grundlast in der Grössenordnung von 25 bis 30 Terawattstunden – ausreichend, um den heutigen Kernkraftanteil in etwa aufrechtzuerhalten, während der Bedarf bis 2050 auf 75 bis 90 Terawattstunden steigt – ist das, was echte Energiesouveränität ausmacht: der Unterschied zwischen der Erzeugung unseres eigenen Stroms und der Abhängigkeit von Importen, über die wir keine Kontrolle haben. Die neueste Reaktortechnologie ist deutlich sicherer als die Anlagen, die sie ersetzen würde, und sie gehört in den Mittelpunkt der Energieinfrastruktur des Landes, nicht an deren Rand. Eine Genehmigung ohne Finanzierung ist Symbolpolitik, keine Standortpolitik. Die Schweiz sollte den begonnenen Entscheid zu Ende führen: die Finanzierung zusagen, die Kapazitäten aufbauen und ihre eigene Versorgung sichern.

Dr. iur. Alexander Schiemenz ist Mitbegründer von TND Universe, einem Unternehmen, das herausragende Lösungen in den Bereichen Immobilien, Mobilität und Energie entwickelt, in diese investiert und umsetzt, um so bessere Gemeinschaften und eine bessere Zukunft zu gestalten. Wenn Sie planen, in Energieinfrastruktur zu investieren, wenden Sie sich an uns, um rechtliche Einblicke und Energiekonzepte zu erhalten, die ein genehmigtes Projekt in ein bankfähiges Projekt verwandeln.

Nachricht
Eine Genehmigung ist kein Kraftwerk: Die halbherzige Entscheidung der Schweiz zum Atomausbau
Die Lex-Koller-Reform: Eine Gesetzesänderung, die das falsche Problem angeht

FuW-Kommentar von Dr. iur. Alexander Schiemenz, LINDEMANNLAW, Juli 2026

In der Schweiz wird über die Wohnungsknappheit diskutiert, und der Bundesrat liefert eine Antwort: eine strengere „Lex Koller“. Die Vernehmlassung läuft seit dem 15. April 2026 und endet am 15. Juli 2026. Erstmals sollen börsenkotierte Immobilienfonds, SICAVs und Immobiliengesellschaften unter das Bewilligungsregime fallen. Das klingt nach entschlossenem Handeln. Vor allem aber ist es Symbolpolitik. Denn der Gesetzesentwurf geht nicht auf die Ursache der Knappheit ein, sondern auf den Kapitalmarkt, der den Wohnungsbau mitfinanziert – und zwar mit einem Instrument, das im Börsenhandel kaum durchsetzbar ist. Der politische Auslöser ist bekannt: Nach der Debatte um die „10-Millionen-Schweiz“ versprach der Bundesrat Begleitmassnahmen. Diese Reform ist eine davon. Treibende Kraft ist die Optik der Einwanderungsdebatte, nicht der Nachweis, dass ausländische Investoren die Mieten in die Höhe treiben.

« Ein Fondsanteil verschafft niemandem die Kontrolle über Schweizer Grundstücke. Er sorgt für Rendite – und liefert dem Gesetzgeber ein fadenscheiniges Argument. »

1. Was ändert sich durch den Gesetzentwurf in rechtlicher Hinsicht, und warum ist es problematisch, einen Fondsanteil wie ein Grundstück zu behandeln?

Die Lex Koller verfolgt ein einziges erklärtes Ziel (Art. 1 BewG): die „ausländische Beherrschung von inländischem Grundbesitz“ zu verhindern. Dabei geht es um die Kontrolle über Grund und Boden. Genau hier verschiebt der Vorentwurf die Grenze. Künftig soll unter «Erwerb» auch jeder fallen, der Anteile an Immobilienfonds, Aktien an Immobilien-SICAVs oder Beteiligungen an Immobiliengesellschaften mit einer beherrschenden Stellung übernimmt (Art. 4 Abs. 1 Bst. c, cbis, d und e VE-BewG). Dies kehrt einen bewährten Status quo um: Seit dem 1. März 2013 können Personen im Ausland regulär gehandelte Fondsanteile frei erwerben. Der Grund dafür lag auf der Hand. Ein Fondsanteil ist kein Stück Immobilien. Er bietet eine anteilige Rendite, aber keine Verfügungsgewalt über ein bestimmtes Grundstück, kein Stimmrecht bei Vermietung, Umnutzung oder Verkauf. Wer einen börsengehandelten Immobilienfonds hält, „kontrolliert“ ebenso wenig Grund und Boden wie der Inhaber einer Anleihe das Unternehmen kontrolliert, dem er Geld leiht. Die Reform behandelt eine Kapitalanlage wie einen Immobilienkauf. Das ist kein Schliessen einer Lücke, sondern eine Verwechslung von Kategorien.


2. Warum lässt sich die neue Regelung im Börsenhandel in der Praxis kaum durchsetzen?

Noch gravierender ist die Frage, wie die neue Regelung überwacht werden soll. Die Durchsetzung greift direkt in den Kapitalmarkt ein. Börsenteilnehmer und Unternehmen, die börsennotierte Wertpapiere ausserbörslich handeln, müssten jeden relevanten Auftrag prüfen, klären, ob es sich bei dem Käufer um eine Person im Ausland handelt, und die Ausführung ohne Genehmigung verweigern (Art. 19b VE-BewG). Fondsprospekte müssten nicht autorisierte Personen im Ausland von vornherein ausschliessen (Art. 67a, 71a und 118j KAG). Verstösse werden mit Geldstrafen von bis zu 250'000 Franken geahndet (Art. 28a VE-BewG). Das Problem ist nicht der gute Wille, sondern die praktische Umsetzung. Börsenkotierte Fonds und SICAVs führen kein laufendes Register ihrer wirtschaftlichen Eigentümer. Beim blitzschnellen Handel an der Börse ist der wirtschaftliche Eigentümer oft erst mit Verzögerung identifizierbar, doch der Gesetzesentwurf verlangt eine lückenlose Kontrolle. Was operativ nicht umsetzbar ist, führt zur einzigen verbleibenden Lösung: dem Rückzug von der Börse. Der Bund selbst schreibt, dass eine Dekotierung die wahrscheinliche Folge sei. Betroffen wären rund 44 Schweizer Immobilienfonds mit einem Volumen von fast 80 Milliarden Franken. Eine Massnahme, die Transparenz und Liquidität zerstört, um Kontrolle vorzutäuschen, ist keine Aufsicht. Es ist ein Eigentor.

3. Wie bewertet der Bund selbst die Wirksamkeit der Massnahme, und was sagen die Zahlen dazu aus?

Das stärkste Argument gegen die Reform kommt von der Eidgenossenschaft. Die in Auftrag gegebene Regulierungsfolgenabschätzung kommt zu dem Schluss, dass die Massnahme „nicht geeignet“ sei, den Wohnungsmarkt zu entlasten, und nur „minimale“ Auswirkungen auf den ausländischen Grundbesitz habe. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Ausländische Investoren halten rund 5,32 Milliarden Franken in börsenkotierten Schweizer Immobilienfonds und SICAVs, davon entfallen 2,42 Milliarden auf das Wohnsegment. Dem stehen 26,65 Milliarden gegenüber, die allein die Schweizer Pensionskassen in Immobilien im Ausland investieren. Wer hier von «ausländischer Dominanz» spricht, verwechselt eine marginale Grösse mit einem strukturellen Problem.

4. Welche weiteren Risiken sieht der Bund, und wie verhält es sich mit der verfassungsrechtlichen Verhältnismässigkeit?

Der Bericht warnt zudem davor, dass sektorale Kapitalkontrollen in der Regel nicht funktionieren, dass umgeleitetes Kapital inländische Investoren stärker in den Markt drängen könnte und dass ein Signal der Isolation dem Standort schaden und Gegenmassnahmen gegen Schweizer Eigentümer im Ausland auslösen könnte. Bereits 2017 wurde eine ähnliche Verschärfung nach der Vernehmlassung fallen gelassen. Verfassungsrechtlich bleibt die grundlegende Frage der Verhältnismässigkeit bestehen (Art. 5 Abs. 2 BV): Eine Massnahme, die laut offizieller Analyse ihr Ziel nicht erreicht, ist ungeeignet und daher kaum zu rechtfertigen.

5. Was bedeutet das für Anleger, und wie sollten sie die verbleibende Zeitspanne nutzen?

Die Wohnungsknappheit ist real und erfordert ernsthafte politische Massnahmen: mehr Bauland, schnellere Verfahren, dichtere Bebauung. Eine strengere Lex Koller bringt nichts davon. Sie führt zu Bürokratie, vertreibt liquides Kapital aus transparenten Vehikeln und verlagert das Problem, anstatt es zu lösen. Wer die Reform verbessern will, sollte die Bestimmungen zu indirekten Investitionen und börsennotierten Wertpapieren streichen oder eng fassen und sich ausschliesslich auf die tatsächliche Kontrolle über Wohnbauland konzentrieren – gleichermassen für alle Nichtansässigen. Die Vernehmlassung läuft bis zum 15. Juli 2026; der Gesetzentwurf kann ohnehin kaum vor 2028 in Kraft treten. Anleger sollten dieses Zeitfenster nutzen, um Stellungnahmen einzureichen und ihre Strukturen zu überprüfen. Symbolpolitik hat ihren Preis. Den würde nicht der Wohnungsmarkt, sondern der Finanzplatz zahlen.

Die Konsultation läuft bis zum 15. Juli 2026, und die Reform wird voraussichtlich nicht vor 2028 in Kraft treten. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Ihre Strukturen zu überprüfen und eine Stellungnahme einzureichen. LINDEMANNLAW berät Investoren, Fonds und Immobiliengesellschaften zur Lex-Koller-Reform und deren Auswirkungen auf indirekte Immobilienbeteiligungen. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, um Ihre Situation zu besprechen.

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Die Lex-Koller-Reform: Eine Gesetzesänderung, die das falsche Problem angeht
Die Wohnungsbauinitiativen zwischen Bauauftrag und Bundesgesetz

Dr. iur. Alexander Schiemenz, LINDEMANNLAW, FuW-Kommentar, Juni 2026

Am 14. Juni lehnte Zürich drei Volksinitiativen zur Wohnungsnot ab: die linke Wohnungsinitiative, die linke Mieterschutzinitiative und die Mitte-Rechts-Initiative zum Wohneigentum. Alle wurden abgelehnt. Und doch sagte die Wählerschaft zweimal «Ja»: zu den Gegenvorschlägen des Kantonsrats. Das ist kein Widerspruch. Es ist eine klare politische Aussage. Die Wähler wollen keine Ideologie. Sie wollen Lösungen.

Die Situation ist bekannt, lässt sich aber anhand von Zahlen verdeutlichen. Die Leerstandsquote im Kanton liegt bei 0,48 %, in der Stadt selbst unter 0,1 %. Von rund 224.000 städtischen Wohnungen stehen etwas mehr als 130 leer. Die Angebotsmieten sind zuletzt um 8,5 % gestiegen. Wer heute in Zürich eine Wohnung sucht, weiss: Das ist keine Marktkorrektur. Es handelt sich um eine strukturelle Verknappung.

„Ein ‚Nein‘ zu allen drei Initiativen ist keine Gleichgültigkeit. Es ist eine Ablehnung einer Politik, die das Selbstdarstellen dem Aufbau vorzieht.“

1. Was sieht der Gegenvorschlag zur Wohnungsbauinitiative vor?

Der Gegenvorschlag zur Wohnungsbauinitiative erhält 57,9 % der Stimmen. Im Mittelpunkt stehen einfachere raumplanerische und baurechtliche Auflagen, schnellere Genehmigungs- und Beschwerdeverfahren sowie die Möglichkeit, höhere Gebäude zu errichten. Der Kantonsrat muss innerhalb von drei Jahren die entsprechenden Ausführungsbestimmungen vorlegen. Dies steht im Gegensatz zur abgelehnten Initiative, die die Schaffung einer staatlichen Wohnungsbaubehörde mit einem Startkapital von 500 Millionen Franken zum Ziel hatte.

2. Wo liegen die rechtlichen Grenzen für eine schnellere Bauausführung?

Rechtlich gesehen ist dies eine Herausforderung. Die Raumplanung liegt in erster Linie in der Zuständigkeit der Kantone und Gemeinden, doch das Bundesrecht setzt Grenzen: Das Raumplanungsgesetz (RPG) schreibt vor, wie dicht, wie hoch und wie schnell gebaut werden darf. Ein kantonaler Gegenvorschlag, der diese Grenzen verschiebt, könnte an bundesrechtlichen Hürden scheitern. Die entscheidende Frage ist, ob der Kantonsrat tatsächlich neuen Handlungsspielraum schafft oder lediglich bestehende Instrumente neu formuliert. Werden höhere Gebäude in Wohnzonen tatsächlich bewilligungsfähig, oder werden Einsprüche weiterhin jedes zweite Projekt blockieren? Hier liegt die eigentliche Bewährungsprobe.

3. Was bringt der Gegenvorschlag zur Mieterschutzinitiative?

Der Gegenvorschlag zur Mieterschutzinitiative erreicht 54,3 %. Sein Inhalt ist gezielter als der der Initiative, die er ersetzt. Ab 20 gleichzeitigen Mietkündigungen muss ein Vermieter einen Kündigungsplan vorlegen, die Mieter mindestens ein Jahr im Voraus informieren und prüfen, ob Baumassnahmen auch bei weiterem Bezug der Immobilie möglich sind.

4. Warum ist dieser Gegenvorschlag zum Mieterschutz rechtlich heikel?

Das klingt moderat. Rechtlich gesehen ist es jedoch heikel. Das Mietrecht in der Schweiz ist Bundesrecht. Das Obligationenrecht regelt Kündigung, Miete und Mieterschutz auf Bundesebene abschliessend. Ein kantonaler Gegenvorschlag, der das Verhalten von Vermietern in Kündigungssituationen regelt, bewegt sich am Rande dessen, was nach Bundesrecht zulässig ist. Sobald eine kantonale Bestimmung in diesen Kernbereich des Obligationenrechts eingreift, droht ein Rangkonflikt mit Art. 49 der Bundesverfassung. Die erste ernsthafte Anwendung des Gegenvorschlags wird vor Gericht enden. Mit welchem Ergebnis, bleibt offen.

5. Was bedeutet das Ergebnis nun für den Kantonsrat?

Die Annahme von zwei Gegenvorschlägen ist für den Kantonsrat kein Freifahrtschein. Es handelt sich um einen Auftrag mit einer Frist. Diejenigen, die die Gegenvorschläge unterstützt haben, um die Initiativen zu verhindern, müssen nun liefern. Das gilt für die Mitte-Rechts-Parteien, die jahrelang gegen Mieterschutzvorschriften lobbyiert haben, ebenso wie für die linken Parteien, die nun darauf drängen werden, den Gegenvorschlag zur Mieterschutzinitiative maximal auszuschöpfen.

Der politische Kompromiss ist gefunden. Der rechtliche Streit um die Auslegung fängt erst an. Jede Durchführungsbestimmung wird von der einen oder anderen Seite angefochten werden. Genau das ist der Preis für ein Wahlergebnis, das keine klare Mehrheit für ein Modell ergibt, sondern eine knappe Mehrheit für zwei verschiedene Modelle zugleich.

Zürich braucht mehr Wohnungen. Zürich braucht zudem einen Mieterschutz, der funktioniert, ohne Investitionen zu behindern. Diese beiden Ziele schliessen sich nicht gegenseitig aus. Aber sie lassen sich nicht durch Volksabstimmungen erreichen. Volksabstimmungen geben die Richtung vor. Die anschliessende Arbeit ist Handwerk: Gesetze, Verordnungen, Verfahren, Gerichte. Der 14. Juni kann ein Wendepunkt sein. Der Grossraum Zürich wächst, die Infrastruktur hält nicht Schritt. Das lässt sich ändern, wenn der Gesetzgeber die Gelegenheit ergreift und endlich die Prozesse einführt, die einen schnellen und verlässlichen Bau ermöglichen. Die Voraussetzungen sind gegeben. Die Ausrede, dass es nicht machbar sei, gilt ebenfalls nicht mehr.

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Die Wohnungsbauinitiativen zwischen Bauauftrag und Bundesgesetz
Souveränität, Versorgungslücken, SMR: Was man wissen muss, bevor die Schweiz über die Kernenergie entscheidet

Fünf Fragen, die die Schweiz beantworten muss

1. Ist die Versorgungslücke real? Die Schweiz verbraucht heute 57 TWh. Bis 2050 steigt der Bedarf auf 75–90 TWh. Beznau, Gösgen und Leibstadt gehen vom Netz. Das ergibt eine strukturelle Lücke von 20–35 TWh. Kein Szenario schliesst diese Lücke, ohne entweder neue Grundlastkapazitäten zu schaffen oder dauerhaft auf Importe angewiesen zu sein.

2. War das Bauverbot jemals ein direktdemokratischer Auftrag? Bei der Volksabstimmung 2017 wurde die Energiestrategie 2050 als Gesamtpaket angenommen – nicht als eigenständiges Technologieverbot. Im Jahr 2003 lehnten zwei Drittel der Schweizer Stimmberechtigten sowohl «Strom ohne Atom» als auch das MoratoriumPlus ab. Im Jahr 2016 lehnte eine Mehrheit die Begrenzung der Laufzeiten von Kernkraftwerken ab. 59 % der Schweizer Bevölkerung halten heute die neue Generation von Kernkraftwerken für sinnvoll.

3. Handelt es sich hier um Energiepolitik – oder um Infrastrukturpolitik? Drei Millionen Elektrofahrzeuge, KI-Rechenzentren, Wärmepumpen-Stadtteile. Strom ist das Fundament der nächsten Wirtschaft der Schweiz, nicht nur eine Variable unter vielen. Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, bestimmen, welche Infrastruktur im Jahr 2045 vorhanden sein wird. Das ist keine Energiefrage. Es ist eine souveräne Infrastrukturentscheidung.

4. Was bedeutet Importabhängigkeit eigentlich? Jede TWh, die die Schweiz importiert, ist eine TWh, die anderswo erzeugt wird – in französischen Kernkraftwerken, in deutschen Gasturbinen, in europäischen Netzkapazitäten, die mit Kohle betrieben werden. Energiesouveränität ist keine Abstraktion. Sie ist ein geopolitischer und wirtschaftlicher Vorteil, den die Schweiz historisch gesehen geschützt hat und den sie nun stillschweigend aufzugeben droht.

5. Sind neue Reaktoren mit moderner Stadtplanung vereinbar? Kleine modulare Reaktoren (SMR) benötigen eine Fläche von etwa der Hälfte eines Fussballfeldes. Sie können einen ganzen Stadtbezirk gleichzeitig mit Strom und Wärme versorgen. Die Frage ist nicht mehr, ob die Kernenergie in eine nachhaltige Stadt passt. Die Frage ist vielmehr, ob es sich die Schweiz leisten kann, diese Option nicht zu prüfen.


Fünf Dinge, die jetzt geschehen müssen

  1. Lift the construction ban — and open the technology assessment. Not a decision to build, but a decision to evaluate.
  2. Commission an independent feasibility study on SMR deployment in Switzerland, separate from lobby positions on both sides.
  3. Define the grid investment required to close the supply gap regardless of the nuclear outcome — the gap is real irrespective of what fills it.
  4. Set a clear timeline: if a referendum is triggered, it must be conducted on the facts of 2026, not the fears of 2011.
  5. Separate the sovereignty question from the environmental debate. Both deserve honest answers. Conflating them serves neither.

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Souveränität, Versorgungslücken, SMR: Was man wissen muss, bevor die Schweiz über die Kernenergie entscheidet
Lärm, Artenvielfalt, ISOS – was vor der Errichtung jeder Windkraftanlage geklärt werden muss

Dr. iur. Alexander Schiemenz, LINDEMANNLAW – FuW-Kommentar, Juni 2026

Die Schweiz braucht mehr Strom im Winter. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Windkraftanlage eine gute Lösung ist. Wer Windparks direkt vor der Haustür einer Gemeinde errichten will, muss mehr als nur die Dringlichkeit der Energiepolitik als Argument anführen. Er muss nachweisen, dass der Standort geeignet ist – sowohl heute als auch in zwanzig Jahren. Die Windenergie hat in der Schweiz politischen Rückenwind. Der Bund will die Produktion erneuerbarer Energien ausbauen, die Kantone müssen geeignete Gebiete ausweisen, und seit dem Beschleunigungsdekret sollen die Verfahren für Anlagen von nationalem Interesse schneller vorangehen. Das klingt nach Fortschritt. Aber es klingt auch wie eine Versuchung: als reiche es aus, die Energiewende anzuführen, um lokale Einwände, Landschaftsschutz, Lärmbelästigung, Biodiversität und Fragen der Stilllegung als Nebensächlichkeiten abzutun. Genau darin liegt der Fehler. Windkraft ist kein moralisches Argument, sondern ein Infrastrukturprojekt. Infrastruktur muss sich am konkreten Standort bewähren – in Bezug auf Raumplanung, Ökologie, Ökonomie und Recht. Das lässt sich nicht mit dem Verweis auf Dringlichkeit abtun.

„Wer in ISOS-Gebieten Windkraftanlagen plant, wird nicht auf Romantiker als Gegner treffen. Er wird es mit dem Bundesgericht zu tun bekommen.“

Welche Auswirkungen haben Windkraftanlagen tatsächlich, und warum reicht es nicht aus, nur die Dezibelwerte zu betrachten?

In der Schweiz gibt es keinen festgelegten Mindestabstand zwischen Windkraftanlagen und Wohngebäuden. Ausschlaggebend sind die Grenzwerte der Lärmschutzverordnung, die Empfindlichkeitsstufen, die Topografie, der Anlagentyp und die spezifischen Windverhältnisse. Das klingt technisch, ist aber politisch von entscheidender Bedeutung. Denn die Auswirkungen beschränken sich nicht auf die Dezibelwerte auf dem Papier. Windkraftanlagen erzeugen periodische Geräusche, werfen Schatten und prägen das Landschaftsbild. Die Anwohner erleben dies nicht als abstrakten Beitrag zur Stromversorgung, sondern als Eingriff in ihren Alltag. Das ist keine Kritik an der Technologie. Es ist eine Frage des Standorts.



Warum endet die Artenvielfalt nicht am Rotor?

Auch die biologische Vielfalt endet nicht am Rotor. Windparks benötigen Zufahrtsstrassen, Fundamente, Montageflächen, Stromleitungen und Netzanschlüsse. In sensiblen Gebieten kann allein diese Nebeninfrastruktur der entscheidende Faktor sein. Kollisionsrisiken für Vögel und Fledermäuse, Lebensraumverlust und Störungen sind keine theoretischen Risiken. Sie müssen vor Ort bewertet werden und dürfen im Nachhinein nicht beschönigt werden. Ein Standort, der nur durch ökologische Kompromisse realisierbar ist, ist kein guter Standort.

Ist Landschaftsschutz nur Romantik?

Landschaftsschutz ist zudem mehr als nur Romantik. Die Schweiz ist dicht besiedelt, topografisch exponiert und kulturell geprägt von ihren charakteristischen Ortsbildern. Windkraftanlagen haben Auswirkungen, die weit über ihren unmittelbaren Standort hinausreichen. Sie verändern Silhouetten, Sichtlinien und Hanglagen. Diese Feststellung ist kein Veto gegen die Windenergie. Es handelt sich um eine standortspezifische Bedingung, die im Schweizer Recht verankert ist.

Warum entscheidet sich ISOS für ein Windkraftprojekt?

Das Inventar des Schweizer Kulturerbes stellt einen Faktor dar, der oft unterschätzt wird. In einem Urteil vom Januar 2026 zum Fall Winterthur stellte das Bundesgericht klar: Sobald eine Bewilligung bundesrechtliche Grundsätze berührt, ist das ISOS unmittelbar anwendbar. Wer Windkraftanlagen in oder in der Nähe von ISOS-Gebieten plant, handelt nicht mehr im Ermessen des Kantons. Er löst eine qualifizierte Interessenabwägung nach Art. 6 ff. des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG) aus. Die Eidgenössische Kommission für Natur- und Heimatschutz kann konsultiert werden. Für Investoren und Projektentwickler bedeutet dies: Eine frühzeitige ISOS-Prüfung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Wer erst in der Bewilligungsphase feststellt, dass sich eine Anlage in einem ISOS-Gebiet befindet, riskiert mehr als nur Verzögerungen. Er riskiert das gesamte Projekt. Über 1'200 Orte sind im ISOS als national bedeutend eingestuft, und ihre Einflusszonen reichen weit in die Landschaft hinein. Wer dies ignoriert, baut auf Sand.

Wie verhindert man das falsche Projekt, und wann beginnt wirksamer Widerstand?

Der politische Trend geht in Richtung Beschleunigung. Verfahren sollen verkürzt, Einsprüche erschwert und Bewilligungen berechenbarer werden. Das ist für Investoren attraktiv. Für die Gemeinden ist es riskant. Das Beschleunigungsdekret ist kein Freibrief: Es soll die Verfahren straffen, nicht aber die Interessenabwägung ausschalten. Das zeigt sich in der Praxis: Im Kanton Zürich hat die Kantonsregierung mit einem einzigen Entscheid rund 40 Prozent des Windkraftpotenzials des Kantons gestrichen, weil die Standorte die Kriterien für den Ausgleich zwischen Luftfahrt, Landschaftsschutz und Siedlungsnähe nicht erfüllten. Ein pauschales «Nein» hält in beschleunigten Verfahren keinen Stand. Wer ein Projekt verhindern will, muss keine Empörung schüren, sondern braucht ein Dossier: Lärmgutachten, ökologische Untersuchungen, ISOS-Analysen, Infrastruktur-Machbarkeitsstudien und einen Rückbauplan. Wirksamer Widerstand beginnt nicht erst mit Protesten, wenn die Rotoren bereits stehen. Er beginnt bereits in der Phase der Raumplanung. Das Ende der Lebensdauer einer Anlage wird besonders unterschätzt. Windparks haben eine begrenzte Lebensdauer. Stilllegung, Fundamente, Zufahrtsstrassen, Abfallentsorgung und Repowering müssen bereits während des Bewilligungsverfahrens berücksichtigt werden. Alles andere ist Greenwashing mit Zeitverzögerung. Eine Anlage, die heute als nachhaltig vermarktet wird, darf in zwanzig Jahren nicht als ungelöstes Entsorgungsproblem für die Gemeinde enden. Ohne eine klare Stilllegungsverpflichtung und finanzielle Garantien ist ein Windpark nicht vollständig geplant. Die Energiewende braucht Tempo. Aber Tempo ist kein Ersatz für fundiertes Urteilsvermögen. Gute Standortentscheidungen stehen nicht im Widerspruch zur Energiewende. Sie sind deren Voraussetzung. Wer Windkraftanlagen am falschen Ort aufstellt, erzeugt nicht nur Strom, sondern auch Widerstand. Und Widerstand kostet Zeit, die sich die Energiewende nicht leisten kann. Gute Energiepolitik beschleunigt die richtigen Projekte. Und sie stoppt die falschen früh genug.

Planen Sie gerade ein Windkraftprojekt?

Ganz gleich, ob Sie eine Gemeinde, ein betroffener Anwohner oder ein Projektentwickler sind – unser Team unterstützt Sie von der Flächennutzungsplanung über die ISOS-Prüfung bis hin zum Stilllegungsplan. Sprechen Sie frühzeitig mit uns, noch bevor die Rotoren in der Luft stehen. Kontaktieren Sie das Team von LINDEMANNLAW für eine erste Standortbewertung.

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Lärm, Artenvielfalt, ISOS – was vor der Errichtung jeder Windkraftanlage geklärt werden muss
Mietobergrenzen lösen die Wohnungsknappheit nicht. Sie mildern sie lediglich.

Dr. iur. Alexander Schiemenz, LINDEMANNLAW – FuW-Kommentar, Juni 2026

Wer die Mieten deckelt, baut keine Wohnungen. Er verteilt die Knappheit neu. Genau darin liegt das Problem der aktuellen Welle wohnungspolitischer Regulierungen, die derzeit über die Schweiz hinwegrollt. Am 14. Juni wird in Zürich über die Initiative zum Schutz des Wohnraums abgestimmt. Basel hat bereits gezeigt, was daraus folgt. Bern, Genf und Waadt prüfen ähnliche Regelungen. Was wie kantonale Sozialpolitik aussieht, ist in Wirklichkeit eine Weichenstellung für die Wohnungspolitik des ganzen Landes – einer Schweiz, die auf zehn Millionen Einwohner zusteuert.

Die Diagnose ist zutreffend: In Städten mit niedrigen Leerstandsquoten, steigenden Baukosten und anhaltendem Zuwanderungsdruck ist der Wohnungsmarkt zu einer Frage der Verteilung geworden. Bezahlbarer Wohnraum ist ein legitimes politisches Ziel. Über die Mittel dazu lässt sich jedoch streiten.

„Der Preis ist nicht die Ursache der Wohnungsknappheit. Er ist ihr Symptom. Wer nur den Preis reguliert, bekämpft das Thermometer statt das Fieber.“

Der politisch verlockende Trugschluss

Mietobergrenzen haben einen grossen Vorteil: Sie sind leicht zu erklären. Hohe Mieten – also begrenzen wir sie. Das ist einprägsam, emotional nachvollziehbar und bereit für eine Volksabstimmung.

Wirtschaftlich gesehen ist das zu vereinfachend. Der Preis ist nicht die Ursache der Wohnungsknappheit. Er ist vielmehr ein Symptom dafür. Hohe Mieten deuten darauf hin, dass es dort, wo die Menschen leben möchten, zu wenige Wohnungen gibt. Wer nur den Preis reguliert, ohne das Angebot zu erhöhen, bekämpft das Thermometer statt das Fieber.

Kurzfristig können Mietobergrenzen einzelne Haushalte entlasten – das steht ausser Frage. Mittelfristig setzen sie jedoch falsche Anreize: weniger Investitionen, weniger Renovierungen, mehr bürokratische Hürden, mehr Ausweichmanöver. Letztendlich gibt es nicht mehr bezahlbare Wohnungen, sondern weniger verfügbare.


Basel warnt

Basel-Stadt liefert in Echtzeit ein abschreckendes Beispiel. Seit 2022 gelten strenge Vorschriften zum Schutz des Wohnungsbestands. Die Folge: rückläufige Renovierungsaufträge, neue Genehmigungsverfahren, Rechtsstreitigkeiten und mehrjährige Überwachungsfristen. Einige Vorschriften mussten bereits im November 2025 gelockert werden, da Renovierungen zu stark unterbunden wurden.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Im Rahmen des vereinfachten Wohnraumsicherungsverfahrens sinkt die Rendite auf die Baukosten bei einer Renovation auf 1,3 Prozent, verglichen mit 2,7 bis 3,4 Prozent nach dem Schweizer Mietrecht. Bei den heutigen Zinssätzen, regulatorischen Anforderungen und Baukosten renoviert niemand für 1,3 Prozent. Das ist kein Zufall. Es ist das vorhersehbare Ergebnis eines Systems, das Investitionen erschwert und Renditen politisch begrenzt.

Energieeffiziente Sanierungen, Modernisierungen der Gebäudetechnik, umfassende Renovierungen – genau das, was die Klimaziele erfordern – sind finanziell nicht mehr tragbar. Ein Haus, das durch Vorschriften in der Zeit stehen geblieben ist, ist nicht sozialer. Es ist einfach nur älter.

Aufbauen, nicht blockieren

Der zentrale sozialpolitische Mangel der Mietpreisbindung liegt in ihrer Zielausrichtung. Sie kommt nicht in erster Linie den Bedürftigsten zugute, sondern jenen, die bereits Zugang zum regulierten Wohnungsbestand haben.

Wer eine bezahlbare, preisgebundene Wohnung hat, bleibt dort. Selbst wenn sie zu gross geworden ist. Selbst wenn sich der Arbeitsort ändert. Jeder Umzug wird zu einer finanziellen Belastung, da die neue Miete höher sein wird. Dies führt zu Bindungswirkungen: Einzelpersonen in Familienwohnungen, Familien ohne Zugang zu grösseren Wohnungen, sinkende berufliche Mobilität. Der bestehende Wohnungsbestand wird weniger effizient genutzt.

Die richtige Antwort lautet: mehr Angebot – schnellere Baugenehmigungen, dichtere Bebauung, die Erschliessung von Baugrundstücken und die Verkürzung von Verfahren. Und es bedarf einer anderen Denkweise in Bezug auf das Bauen. Eine Schweiz mit zehn Millionen Einwohnern ist keine raumplanerische Bedrohung – sie ist eine gestalterische Herausforderung. 15-Minuten-Quartiere, Plusenergiehäuser, neue Mobilitätskonzepte: All dies wird bereits heute gebaut, in Rotkreuz, in Hamburg, in Kopenhagen. Es mangelt nicht an Land. Es mangelt an Investitionssicherheit.

Soziale Ziele lassen sich gezielter erreichen: gemeinnütziger Wohnungsbau, gezielte Wohnbaubeihilfen, Vorschriften für Entwicklungsgebiete mit kalkulierbaren Erträgen. Der Gegenvorschlag zur Zürcher Initiative geht in diese Richtung.

Die Wohnungsknappheit ist real. Genau deshalb sollte man ihr nicht mit symbolischer Politik begegnen. Eine Mietpreisbremse schafft keinen einzigen Quadratmeter zusätzlichen Wohnraum. Sie erhöht die Verwaltungskosten, verlangsamt Sanierungen und wälzt die Knappheit auf diejenigen ab, die noch keine Wohnung haben. Was wie Schutz aussieht, ist in Wirklichkeit die Bewirtschaftung der Knappheit mit einem sozialen Etikett.

Mietobergrenzen lösen die Wohnungsknappheit in der Schweiz nicht – sie verschärfen sie sogar noch. Warum eine Reform des Baurechts und Investitionssicherheit die richtigen Antworten auf die Wohnungskrise sind.

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LINDEMANNLAW berät Investoren, Eigentümer und Bauträger in Bezug auf Genehmigungsverfahren, wohnungsrechtliche Vorschriften und renditesichere Entwicklungsprojekte. Sprechen Sie mit unserem Team über Ihre Situation – wir vereinen juristisches, steuerliches und immobilienrechtliches Fachwissen. Kontaktieren Sie uns noch heute.

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Mietobergrenzen lösen die Wohnungsknappheit nicht. Sie mildern sie lediglich.