Souveränität, Versorgungslücken, SMR: Was man wissen muss, bevor die Schweiz über die Kernenergie entscheidet

Fünf Fragen, die die Schweiz beantworten muss

1. Ist die Versorgungslücke real? Die Schweiz verbraucht heute 57 TWh. Bis 2050 steigt der Bedarf auf 75–90 TWh. Beznau, Gösgen und Leibstadt gehen vom Netz. Das ergibt eine strukturelle Lücke von 20–35 TWh. Kein Szenario schliesst diese Lücke, ohne entweder neue Grundlastkapazitäten zu schaffen oder dauerhaft auf Importe angewiesen zu sein.

2. War das Bauverbot jemals ein direktdemokratischer Auftrag? Bei der Volksabstimmung 2017 wurde die Energiestrategie 2050 als Gesamtpaket angenommen – nicht als eigenständiges Technologieverbot. Im Jahr 2003 lehnten zwei Drittel der Schweizer Stimmberechtigten sowohl «Strom ohne Atom» als auch das MoratoriumPlus ab. Im Jahr 2016 lehnte eine Mehrheit die Begrenzung der Laufzeiten von Kernkraftwerken ab. 59 % der Schweizer Bevölkerung halten heute die neue Generation von Kernkraftwerken für sinnvoll.

3. Handelt es sich hier um Energiepolitik – oder um Infrastrukturpolitik? Drei Millionen Elektrofahrzeuge, KI-Rechenzentren, Wärmepumpen-Stadtteile. Strom ist das Fundament der nächsten Wirtschaft der Schweiz, nicht nur eine Variable unter vielen. Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, bestimmen, welche Infrastruktur im Jahr 2045 vorhanden sein wird. Das ist keine Energiefrage. Es ist eine souveräne Infrastrukturentscheidung.

4. Was bedeutet Importabhängigkeit eigentlich? Jede TWh, die die Schweiz importiert, ist eine TWh, die anderswo erzeugt wird – in französischen Kernkraftwerken, in deutschen Gasturbinen, in europäischen Netzkapazitäten, die mit Kohle betrieben werden. Energiesouveränität ist keine Abstraktion. Sie ist ein geopolitischer und wirtschaftlicher Vorteil, den die Schweiz historisch gesehen geschützt hat und den sie nun stillschweigend aufzugeben droht.

5. Sind neue Reaktoren mit moderner Stadtplanung vereinbar? Kleine modulare Reaktoren (SMR) benötigen eine Fläche von etwa der Hälfte eines Fussballfeldes. Sie können einen ganzen Stadtbezirk gleichzeitig mit Strom und Wärme versorgen. Die Frage ist nicht mehr, ob die Kernenergie in eine nachhaltige Stadt passt. Die Frage ist vielmehr, ob es sich die Schweiz leisten kann, diese Option nicht zu prüfen.


Fünf Dinge, die jetzt geschehen müssen

  1. Lift the construction ban — and open the technology assessment. Not a decision to build, but a decision to evaluate.
  2. Commission an independent feasibility study on SMR deployment in Switzerland, separate from lobby positions on both sides.
  3. Define the grid investment required to close the supply gap regardless of the nuclear outcome — the gap is real irrespective of what fills it.
  4. Set a clear timeline: if a referendum is triggered, it must be conducted on the facts of 2026, not the fears of 2011.
  5. Separate the sovereignty question from the environmental debate. Both deserve honest answers. Conflating them serves neither.